Ich leide seit Jahren unter Migräne. Allgemein und insbesondere als Mann hat diese Krankheit ein gewisses Stigma und wird gerne nicht ernst genommen – als bloßer Kopfschmerz abgetan, teilweise sogar von Ärzten als reiner Spannungskopfschmerz diagnostiziert. Migräne ist aber eine angeborene chronische neurologische Erkrankung, die meinen Alltag und Beruf massiv beeinflusst. Deshalb teile ich meine persönliche Geschichte: Ich möchte damit auf diese Krankheit aufmerksam machen, Mut machen und zeigen, wie ich mit Mechanismen trotzdem ein zuverlässiger Dienstleister bleibe.
Mein Weg zur Diagnose
Angefangen hat es vor 15 bis 20 Jahren mit häufigen Kopfschmerzen, die tagelang anhielten und kaum auf Ibuprofen oder andere geläufige Schmerzmittel reagierten. Ich hatte Nackenverspannungen, aber kaum typischen Migräne-Symptome wie einseitige Schmerzen, Übelkeit, Aura oder starke Licht- und Lärmempfindlichkeit. Ich dachte: Zu lang am Rechner, falsche Haltung, schlechtes Kissen – klassische Spannungskopfschmerzen halt.
Vor rund 10 Jahren dann der Durchbruch: In einer Attacke bekam ich ein Triptan empfohlen. BÄM – der Schmerz war in kürzester Zeit weg. Das war meine Erleuchtung. Ich bin zum Neurologen, die Diagnose Migräne wurde gesichert. Mit den Jahren wurde die Migräne häufiger: Von zwei bis drei Anfällen im Monat sind es jetzt deutlich mehr, im Winter teils über 10 Migränetage. Triptane helfen meistens, aber nicht immer. Und Triptane sollten nur an maximal 10 Tagen im Monat eingenommen werden. Sind es mehr Tage muss ich nur mit Kühlakku und Ruhe durch den Anfall kommen.
Wie ich die Migräne spüre
Trigger und was ich ausprobiert habe
Es ist immer eine Kombination aus Faktoren wie Stress, Lärm, Ernährung und Wetter. Im Sommer geht’s mir besser als im Winter. Prophylaktisch teste ich diverse Medikamente mit meinem Neurologen: Verschiedene gängige Mittel, inklusive CGRP-Antikörper, haben bisher nicht gezogen. Andere brachten starke Nebenwirkungen. Es braucht Geduld.
So meistere ich Migräne im Webdesign-Alltag
Ich plane Migräne ein, um trotzdem verlässlich arbeiten zu können. Migräne soll nicht zur Ausrede für nicht eingehaltene Absprachen werden, sondern ich plane die Migräne in meine Abläufe ein – und bleibe der zuverlässige Dienstleister für KMU, der Projekte oft früher fertig hat als versprochen.
Hier meine Anpassungen um mit der Migräne gut klar zu kommen:
- Termine ab 11 Uhr: Die Migräne kommt meistens morgens, und durch späte Termine habe ich Zeit, mit Medikamenten zu reagieren und diese wirken zu lassen – statt Termine zu verschieben oder unkonzentriert am Telefon zu hängen. An guten Tagen bin ich früher da, ohne Druck.
- Telefonate nur nach Absprache: Ich möchte meinen Kunden gerecht werden, sowohl den laufenden Projekten am Rechner als auch dem Kunden am Telefon meine ganze Aufmerksamkeit widmen. Deshalb Planbarkeit – und bei Bedarf ein Spaziergang mit Hündin Louise für frische Luft und Ablenkung.
- Puffer-Deadlines: Ich kalkuliere ein bis zwei Ausfall-Tage ein. Kunden hören „nächste Woche“, kriegen die fertige WordPress-Seite oft mehrere Tage früher als versprochen. Keine Ausreden, nur Ergebnisse.
Durch klare Strukturen leidet meine Zuverlässigkeit nicht, im Gegenteil: Wenn es gut läuft, gibt es positive Überraschungen statt gebrochener Versprechen.
Warum ich das erzähle
Als Mann mit Migräne will ich das Tabu brechen: „Sind doch nur Kopfschmerzen“ stimmt nicht. Wenn ihr Ähnliches habt, auch wenn die Symptome nicht glasklar sind, geht zum Neurologen und lasst es abklären.
Mit Planung schafft man trotz chronischer Krankheit Erfolg.