Gendern mit Doppelpunkt und Sternchen

Symbolbild (KI-generiert)

Warum Gendern mit Sonderzeichen?

Ich frage mich manchmal, was bei unserer Sprache eigentlich gerade passiert, wenn ich Formulierungen wie „Kolleg:innen“ oder „Mitarbeiter*innen“ lese. Müssen wir wirklich anfangen, Wörter mit Sonderzeichen umzubauen, um modern, korrekt oder besonders sensibel zu wirken?

Für mich geht dabei oft etwas verloren: Natürlichkeit, Lesbarkeit und ein normaler Sprachfluss. Dabei wäre es so einfach, klar und höflich zu formulieren – ganz ohne sprachliche Verrenkungen.

„Liebe Kolleginnen und Kollegen“ ist für mich ein völlig freundlicher und respektvoller Satz. Und auch mit dem generischen Maskulinum sehe ich kein Problem: „Alle Kollegen treffen sich bitte im Besprechungsraum.“ Im normalen Sprachgebrauch verstehen die allermeisten Menschen ohnehin, dass damit nicht ausschließlich Männer gemeint sind.

Inhalte

Generisches Maskulinum und Kontext

Das generische Maskulinum umfasst im Deutschen seit jeher beide Geschlechter. „Meine Kollegen“ meint im normalen Sprachgebrauch die gesamte Belegschaft – nicht automatisch eine reine Männergruppe.

Sprache funktioniert nämlich nicht isoliert Wort für Wort, sondern über Kontext. Wenn im Supermarkt eine Durchsage kommt:

„Achtung! Das Gebäude brennt. Alle Kunden verlassen bitte sofort das Gebäude.“

dann versteht selbstverständlich jeder, dass damit nicht nur Männer gemeint sind.

Und wenn es wirklich wichtig ist, etwas konkret hervorzuheben, funktioniert das im Deutschen ohnehin problemlos:

„Meine Chefin“, „meine Kolleginnen und Kollegen“, „der Teamleiter“, „die Ansprechpartnerin“.

Genau das macht Sprache eigentlich elegant: Der Kontext klärt die Bedeutung meist ganz ohne Sternchen, Doppelpunkte oder sprachliche Sonderkonstruktionen.

Kritik an Genderzeichen

Ich frage mich oft, warum heute plötzlich „Kolleg:innen“ geschrieben wird, obwohl „Kolleginnen und Kollegen“ problemlos funktioniert. Wir leben schließlich nicht mehr in Zeiten von 160-Zeichen-SMS für 39 Pfennig.

In den allermeisten Fällen wäre genug Platz vorhanden, um beide Formen sauber auszuschreiben. Und dort, wo Sprache wirklich kurz, schnell und übersichtlich bleiben muss – etwa auf Buttons, in Menüs oder kurzen Hinweisen – wirkt das generische Maskulinum meist deutlich natürlicher und lesbarer als sprachliche Sonderkonstruktionen.

Für mich wirken Formen mit Sternchen oder Doppelpunkten nicht modern oder elegant, sondern künstlich. Sie unterbrechen den Sprachfluss, lassen sich oft schlecht vorlesen oder aussprechen und verändern gewachsene Wörter sichtbar nur aus politischer Motivation.

Gute Sprache lebt eigentlich von Rhythmus, Lesbarkeit und Klarheit. Genau diese Eigenschaften gehen bei vielen Genderformen verloren. Und während sich akademische oder aktivistische Milieus daran gewöhnen mögen, bleibt für mich die Frage offen, wie hilfreich solche Konstruktionen wirklich für Menschen mit Sprach-, Lese- oder Rechtschreibschwierigkeiten sind.

Es kommt doch bei einem Button wie „Kunde werden“ niemand ernsthaft auf die Idee, dass Frauen hier keinen Vertrag bekommen. „Kund:in werden“ wirkt auf mich deshalb weniger wie bessere Sprache – sondern eher wie sprachpolitischer Aktivismus.

Sprachliche Inklusion und künstliche Sprachlenkung

Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, im direkten Umgang respektvoll und höflich mit Menschen zu sprechen. Rücksichtnahme im persönlichen Kontakt ist völlig normal und war es schon immer.

Für mich entsteht das Problem erst dann, wenn daraus plötzlich eine allgemeine Pflicht zur sprachlichen Umerziehung der gesamten Gesellschaft werden soll.

Gendern ist für mich keine Grassroots-Entwicklung, also eine natürlich gewachsene Veränderung der Alltagssprache. Die meisten Menschen haben nicht plötzlich angefangen, freiwillig mit Sternchen, Doppelpunkten oder Sprechpausen zu reden und zu schreiben.

Stattdessen entstand der Druck vor allem über Universitäten, Medien, Behörden, politische Gruppen und Unternehmensrichtlinien. Sowas nennt man Astroturfing (engl. Kunstrasen): eine künstlich angeschobene Entwicklung, die wie ein spontaner gesellschaftlicher Wandel wirken soll.

Sprache verändert sich normalerweise von unten – weil Menschen neue Wörter oder Formulierungen ganz selbstverständlich übernehmen. Man kennt das von der Jugendsprache die sich zwischen den Generationen immer wieder verändert. Beim Gendern mit Sonderzeichen, kamen zuerst Leitfäden und moralischer Druck – und erst danach der Versuch, daraus normale Alltagssprache zu machen. Oft merkt man, dass viele Menschen gar nicht natürlich gendern, sondern sichtbar mit der Umsetzung hadern. Jugendsprache dagegen entsteht spontan und fließt ganz selbstverständlich aus den Menschen selbst heraus.

Mein Umgang als Webdesigner

Meine Kunden entscheiden selbst, wie sie auf ihrer Website schreiben möchten. Texte werden von mir grundsätzlich so eingebaut, wie sie geliefert werden. Wenn du gendern möchtest, kannst du mir selbstverständlich Texte mit Doppelpunkt, Sternchen, Binnen-I oder anderen Konstruktionen schicken.

Ich bin nicht hier, um Menschen sprachlich zu belehren oder politische Debatten mit Kunden zu führen. Gleichzeitig möchte ich aber auch klar sagen, dass ich selbst bewusst darauf verzichte und diese Formen weder sprachlich noch gestalterisch überzeugend finde.

Bitte habt außerdem Verständnis dafür, dass ich keine „Gender-Prüfungen“ auf Logik, Konsistenz oder politische Korrektheit durchführen kann. Ob, wann und wie gegendert wird, muss am Ende jeder selbst entscheiden – und vor allem selbst konsequent umsetzen.

WordPress Webdesigner Thomas Heger aus Auenwald

Thomas Heger
Webdesigner für KMU und Selbstständige

Seit über 20 Jahren gestalte ich Websites, die funktionieren – klar, durchdacht und mit dem Fokus auf das Wesentliche. Ich mag sauberes Design, pragmatische Lösungen und gute Gespräche auf Augenhöhe. Ich glaube an klare Strukturen, ehrliches Feedback und daran, dass man im Netz nicht schreien muss, um sichtbar zu sein. Louise (meine Hündin & Feel-Good-Managerin) sieht das übrigens genauso.

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